Was taugen Internet-Radiogeräte?
21.April 2008
Die Tage des alten Kofferradios sind gezählt! In Zukunft erledigen neuartige Internetradios den Job. Die sehen zwar wie ganz normale Empfangsgeräte aus, können aber weltweit auf unzählige Sendestationen zugreifen - und noch viel mehr.
Video killed the Radio Star? Von wegen. Während in verschiedenen Gremien über die Zukunft des digitalen Radios gestritten wird - ursprünglich wollte man die analogen Rundfunkempfänger 2010 in Rente schicken - hat der digitale Hörfunk seine Zuhörer längst auf anderen Wegen erreicht. DSL macht es möglich und an die Bequemlichkeit des häuslichen WLANs hat man sich längst gewöhnt: Die perfekte Umgebung, um das alte UKW-Radio gegen ein Internetradio auszutauschen.
Insgesamt bewerben sich zwölf Kandidaten. Die Hälfte kommt im Kofferradio-Look der Fünfziger, den Artur Braun mit seinem Klassiker SK1 entscheidend prägte: Albrechts DR 315, IPdio und IPdio mini von dnt, der Quattro MKII des dänischen HiFi-Spezialisten tangent und Terratecs iRadio for iPod. Eher an einen größeren Radiowecker erinnern der Starry7 von DMTech, Freecoms MusicPal, der Alto von Oxx Digital und Revos futuristisch anmutender blik Wi-Fi. Der ebenfalls von Revo stammende Pico Wi-Fi erinnert an die kleinen UKW-Empfänger des Herstellers Tivoli Audio, der vor einigen Jahren mit der Einführung des Modells PAL eine kleine Radiorenaissance auslöste.
Neun Kandidaten nutzen für die Verwaltung der Internetradiosender den britischen Dienst Reciva.com. Das Unternehmen hat ein Referenzdesign im Angebot, das sich von den Herstellern leicht zum Internetradio vervollständigen lässt. Das sogenannte Barracuda-Board sorgt für Empfang und die Dekodierung der Internetradio-Sender und hat bereits die Logik für die Ansteuerung von Display und Bedienelementen an Bord. Die Hersteller müssen sich lediglich um Verstärker, Netzwerk-Modul, Lautsprecher und ein schickes Gehäuse kümmern. Albrechts DR 315 nutzt als einziger Kandidat als Kernkomponente das Venice-Modul von Reciva-Konkurrent Frontier Silicon. Auch hier sorgt der Anbieter für die Verwaltung der Internetradiostationen über eine eigene Website.
Neben dem direkten Internetzugriff über den DSL-Router lassen sich die Testkandidaten auch als Audio-Streaming-Client im Heimnetz einsetzen. Dabei greifen sie auf im Netz befindliche UPnP-AV-Server und/oder Windows-Freigaben zu.
Wegen der meist nur zweizeiligen Displays ist die Navigation in der hauseigenen MP3-Sammlung allerdings wenig komfortabel. Einzige Ausnahmen sind Freecoms MusicPal und Terratecs iRadio for iPod, die ein wenig mehr Pixel auf ihre grafikfähigen Displays zaubern.
Bei sechs Geräten kann man beliebige Soundquellen analog per Klinkenstecker einschleifen - sie lassen sich also als Verstärker für CD- oder MP3-Spieler nutzen. Terratecs iRadio for iPod hat an der Geräteoberseite ein Dock für Apples Musikspieler. DMTechs Starry7 und Terratecs iRadio sind die einzigen Geräte, die einen USB-Host-Anschluss haben. Musik von Wechselmedien wie USB-Sticks oder MP3-Spielern lässt sich so ebenfalls wiedergeben.
Um sich gegen Küchenradios oder Radiowecker zu behaupten, müssen die Internetradios nicht unbedingt mit klanglichen Höchstleistungen aufwarten. Auf der anderen Seite möchte man sich aber beim Genießen nicht unbedingt blutige Ohren holen.
Die Klangqualität der Testkandidaten ist breit gestreut. Die scheppernde Mono-Quäke von Freecoms MusicPal markiert den audiophilen Tiefpunkt. Auf der anderen Seite der Skala überzeugt das ebenfalls mit nur einem Monolautsprecher ausgestattete tangent quattro mit einem satten, gut ausdefinierten Sound. Ebenfalls wohlklingend: das Stereo-System WFR-20 von Sangean. Nicht umsonst wird es in Großbritannien unter dem Namen WM-201 von der renommierten Radiomarke Roberts vertrieben.
Die übrigen Kandidaten schlagen sich wacker im Mittelfeld. Wem die Klangqualität der eingebauten Lautsprecher nicht genügt, kann die Geräte auch an einen externen Verstärker anschließen. Bis auf dnts IPdio, das Oxx Alto und Revos pico Wi-Fi verfügen alle über analoge Ausgänge. Terratecs iRadio kann das Signal sogar digital per optischem SPDIF ausgeben. In der getesteten Firmware-Version ließ sich der Ausgang jedoch nur gekoppelt mit dem Lautsprecher betreiben - will man Musik über den Verstärker hören, tönt gleichzeitig der Lautsprecher im iRadio. Das Problem soll mit der nächsten Firmware behoben sein. Kopfhörerausgänge bieten alle Testkandidaten.
Fazit
Der Einstieg in die Radiozukunft beginnt mit IPdios mini und Freecoms MusicPal bei Preisen um die 100 Euro. Im Vergleich zu einem UKW-Empfänger zwar teuer, dafür bekommt man bereits den vollen Zugriff auf das weltweite Musikangebot. Schade nur, das dem auf Netzwerkseite so potenten MusicPal klanglich schnell die Puste ausgeht.
Die im Mittelfeld rangierenden Reciva-Radios Starry7, Alto und blik Wi-Fi kann man sich am ehesten als Radiowecker-Ersatz vorstellen, wobei das Alto von Oxx Digital klanglich positiv auffällt. Mit dem IPdio bekommt man für zehn Euro mehr einen kompakten Empfänger mit guten Klangeigenschaften, der, sieht man vom fehlenden UKW-Tuner ab, als vollwertiger Ersatz für das gute alte Küchenradio durchgeht. Nun müsste dnt nur noch das Problem mit dem lahmen Wiedereinklinken in den Radiostrom in den Griff bekommen.
Bei Preisen jenseits der 200 Euro braucht es schon einen guten Grund, um die Anschaffung eines Tube, pico Wi-Fi, WFR-20, Quattro MKII oder iRadio for iPod vor dem Familienrat zu rechtfertigen. Die 40-Zentimeter-Tube ist sicherlich eher etwas für Individualisten, immerhin ist das Display gut ablesbar. Mit dem pico Wi-Fi ist man dank Akku im ganzen Haus mobil.
Der interessante Bereich der Zusatz- und Streaming-Dienste aus dem Netz wird am besten von Terratecs iRadio abgedeckt. Da es sich um ein deutsches Unternehmen handelt, bleibt einem der Frust interessanter, aber leider hier nicht verfügbarer Streaming-Dienste erspart. Bei den Geräten der Reciva-Familie kann man immerhin auf den Streaming-Dienst RealMusic zugreifen.
Wer seine Ohren verwöhnen möchte, kommt beim Sangean WFR-20 und tangents Quattro voll auf seine Kosten. Mit ihren sehr guten Klangeigenschaften sind sie als Küchenradioersatz fast zu schade.
Quelle: hr-online
Artikel gespeichert unter: Allgemein/ Lifestyle Magazin



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